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(Artikel aus dem Neuen Tag vom 15-09-2005)
Ein Ausbildungsgang, zwei Berufe
Schulversuch mit 40 Teilnehmern – Alten- und
Krankenpfleger(in) erstmals in Kombination
Schwandorf. (am) Die Berufsfachschule für Krankenpflege am St.
Barbara-Krankenhaus und die Döpfer-Schulen gehen miteinander einen neuen
Weg. Sie starteten am Dienstag einen Schulversuch, der erstmalig zu einer
gemeinsamen Alten- und Krankenpflegeausbildung führt. Dabei handelt es
sich um eines von acht Pilotprojekten, die das Kultusministerium
bayernweit genehmigt hat.
Die einheitliche Ausbildung in Alten und Krankenpflege ist in den
meisten europäischen Ländern bereits Standard. In Deutschland verläuft sie
bisher noch in fünf verschiedenen Zweigen. Das soll sich nun ändern. Das
Bayerische Kultusministerium wählte acht Standorte – darunter auch
Schwandorf – aus, an denen der kombinierte Ausbildungsgang in einem
Schulversuch getestet wird. Der Startschuss fiel am Dienstag. 40
Teilnehmer – 34 Damen und sechs Herren im Alter zwischen 16 und 28 Jahren
– begannen in zwei Klassen ihre dreijährige Ausbildung an der
Krankenpflegeschule des Krankenhauses und der Altenpflegeschule der
Döpfer- Schulen sowie bei verschiedenen Oberpfälzer Pflegeeinrichtungen.
Diesem Schulversuch messen Hubert Döpfer, der Inhaber der Döpfer-Schulen,
und Maximilian Hastreiter, der Geschäftsführer des St.
Barbara-Krankenhauses, hohe Bedeutung bei. Bei einer Vorstellung des
Kooperationsprojektes freuten sie sich, dass das Ministerium nach rund
zweijährigem Ringen eine Genehmigung nach Schwandorf vergab. Die Besetzung
der verfügbaren 40 Schulplätze war nach übereinstimmenden Angaben
überhaupt kein Problem, Interessenten gab es genug. Wesentlich schwieriger
gestaltete sich die Suche der notwendigen 40 praktischen Ausbildungsplätze
in adäquaten Einrichtungen.
Vom Erfolg des Versuchs sind Beide schon heute überzeugt. Sie rechnen fest
damit, dass in vier Jahren – wenn auch der zweite, 2006 startende
Testjahrgang sein Ziel erreicht hat – diese kombinierte Ausbildung zu
einer festen Einrichtung wird. Roswitha Fietz, die Leiterin der
Berufsfachschule am Krankenhaus, und ihre Kolleginnen Anna von
Eisenhart-Rothe und Andrea Karp von den Döpfer-Schulen sehen für die
Auszubildenden eine große Chance. Denn sie verfügen nach drei Jahren über
zwei Berufe. Diese Doppelqualifikation steigere die Flexibilität auf dem
Arbeitsmarkt, auch auf internationaler Ebene. Die Schüler schließen ihre
Ausbildung mit dem Staatsexamen in Alten und Krankenpflege ab. Für
Teilnehmer
mit mittlerem Bildungsabschluss besteht zusätzlich die Gelegenheit, die
Fachhochschulreife zu erlangen.
Die Notwendigkeit dieser Kombination ist unter den Expertinnen
unbestritten: Im Alltag der Altenheime, in die zunehmend mehr multimorbide
Bewohner mit Schwerstpflegebedürftigkeit kommen, reicht die
sozialpflegerische Kompetenz allein nicht mehr aus, das Personal braucht
unbedingt auch medizinische Kenntnisse. Umgekehrt verhält es sich mit den
Krankenhäusern: Dort wird die sozialpflegerische Kompetenz immer stärker
gefordert, weil in vielen Kliniken inzwischen jeder dritte Patient über 80
Jahre alt ist. Eine große Herausforderung kommt auf die angehenden
Alten-/Krankenpfleger allerdings schon zu. Zwar waren in der Vergangenheit
etwa 80 Prozent der Lerninhalte in beiden Berufen bereits identisch: Doch
nun gilt es, die weitergehenden Anforderungen in einem beträchtlichen,
zusätzlichen
Stundenaufwand während der drei Ausbildungsjahre zu erfüllen.

Zusammen mit den Schul- und Ausbildungsleiterinnen stellten die
Geschäftsführer der Döpfer-Schulen, Hubert Döpfer
(Zweiter von rechts), und des Krankenhauses, Maximilian Hastreiter
(rechts), den Schulversuch zur kombinierten Ausbildung
in Alten- und Krankenpflege vor. Mit im Bild Ottmar Poguntke vom
Landratsamt und einige Schüler. Bild: Götz
Gemeinsame Alten-/Krankenpflegeausbildung
Nach dem Vorbild des klassischen dualen Systems läuft seit dieser Woche
der Schulversuch zur gemeinsamen Alten- und Krankenpflegeausbildung. Die
Interessenten absolvieren an der Berufsfachschule für Krankenpflege am St.
Barbara-Krankenhaus und an den Döpfer-Schulen für Altenpflege in
Schwandorf ihre theoretische Ausbildung, die von praktischen Inhalten
ergänzt wird. In einer stationären oder ambulanten Einrichtung benötigen
sie gleichzeitig eine Stelle für ihre fachpraktische Ausbildung. Für viele
der 40 Teilnehmer am Schulversuch war es das größte Problem, einen solchen
Ausbildungsplatz in einer Klinik, in einem Heim oder bei einem
Pflegedienst zu erhalten. Ausbildungsleiterin Barbara Weisser gelang es
schließlich unter Mithilfe des Landratsamtes, die Träger von 22
Einrichtungen dafür zu gewinnen, solche Stellen anzubieten. Ihnen galt nun
gestern der besondere Dank der schulischen Ausbilder, weil ohne ihr
Mitwirken dieser Schulversuch gar nicht möglich geworden wäre.
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